No Man's Sky: So wurde ich statt zu einem Helden zum NPC

Daniel Kirschey

Schön, dass du hier her gefunden hast. Setzt dich hin. Man nennt mich den Händler. Wie ich zu dem Namen gekommen bin? Ich kann dir gerne die Geschichte erzählen.

No Man's Sky: So wurde ich statt zu einem Helden zum NPC

Jetzt sitze ich hier in meiner Fregatte und starre in den leeren Raum des Alls. Na ja, leer ist er nicht, auch wenn er erst einmal so aussieht. Überall gibt es Planeten und Monde, ja, Millionen, gar Milliarden von ihnen – und auf diesen wuseln Geks, Korvax, Vy’keen und jetzt auch die Travellers und Anomalien herum. Einige sind Piraten, doch die meisten sind friedlich und bereit zu handeln. Ein Paradies für mich, den Handlungsreisenden.

Statt von meinem Tod, soll in dieser Geschichte jedoch von meinem Leben berichtet werden – genauer gesagt: von meiner Ausbildung zum Geschäftsmann. Ja, das ist wahrscheinlich die bessere Bezeichnung, bin ich doch mein eigener Chef und vor Äonen in diesen unbekannten Teil des Universums gekommen.

Ganz am Anfang, mit noch wenig Geld in den Taschen, als junger Spross, der in den Weiten der Galaxie noch nicht bekannt war, fing alles an. Mit grünen, unschuldigen Augen blickte ich in die Welten und versuchte mein Glück mit ihnen. Auf einem Dschungelplaneten begegnete ich einem alten Mann, der mir versprach, mich umgehend in einen gewitzten Geschäftsmann zu verwandeln. Alles was ich dazu bräuchte, wäre eine bestimmte Datasette mit Lern-Software. Ganz zufällig hatte er sie dabei und bot sie mir für einen hohen Preis an. Da konnte ich nicht Nein sagen und überschrieb ihm den Betrag.

Schau dir hier einen kleinen Film aus meiner jetzigen Heimat an.

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Zurück auf meinem kleinen Schiff, überspielte ich die Daten sogleich auf den Bordcomputer, schlüpfte in den Simulationsanzug und setzte die Brille auf. Schon ging es los. Am Anfang war Recettear. In dieser Ausbildungssimulation schlüpfte ich in die Rolle von Recette Lemongrass, der Tochter eines Ladenbesitzers, der auf Abenteuer aus war und plötzlich verschwand.

Da saß ich dann, mit Schulden, einem verwaisten Laden und geplatzten Träumen. Die Fee Tear wollte die Schulden bei mir eintreiben. Statt zu jammern, übernahm ich meines Vaters Geschäft und arbeite mich in die Welt der Kaufleute ein. Als junges Mädchen transmogrifiziert stand ich nun da und musste an Waren kommen, um sie zu verkaufen.

Zum Glück konnte ich Hilfe bei der Abenteurer-Gilde finden. Ein magischer Spruch von Tear machte mich unverwundbar, doch kämpfen konnte ich trotzdem nicht. Das übernahmen dann der Schwertkämpfer und seine Kumpanen. Mit den im Verlies erbeuteten Gegenständen stopfte ich meinen Laden voll und verkaufte sie. Scheiß aufs Heldentum, es lebe das Geldverdienen. Capitalism, ho! Bald hatte ich die Schulden abbezahlt, meine Ausbildung war jedoch noch nicht zu Ende. Ich musste noch einiges lernen, um zur findigen Kauffrau zu werden, die ich jetzt bin.

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14 versteckte Mechaniken in No Man's Sky, von denen du noch nichts wusstest.

Zwar wusste ich jetzt ganz gut, wie ich Dinge verhöker, doch in der Lehre, die richtigen Gegenstände zu verbinden, um bessere noch wertvollere Kaufwaren herstellen zu können, ja, da stand ich fast ganz am Anfang. Aus der Recettear-Simulation konnte ich das eine oder andere lernen, ein Profi wurde ich darin jedoch erst durch die Moonlighter-Ausbildungssoftware. Nach einem Ausflug in die Simulation Kingdom’s Item Shop, die ich voller Zufriedenheit von Mr. Butler ablegte, wartete das Geschäft Moonlighter auf mich.

Das Programm geladen, schon ging es los. Tagsüber bestückte ich den Laden mit den besten Gütern, die ich nachts in den sich stetig verändernden Hallen der Ruinen einer alter Zivilisation finden konnte. Umso weiter ich in die dunklen Ebenen vorstieß, desto gefährlicher wurde mein Unterfangen. Zum Glück konnte ich mit dem Geld der verkauften Güter einen Schmied und andere helfende Hände in das Dorf holen, in dem auch mein Laden stand.

Mit besserer Ausrüstung, schärferen Schwertern und schönen Schildern, drang ich immer tiefer in die Eingeweide des Verlieses vor. Aus Kristalliner Energie und anderen Ressourcen schuf ich Güter, die sich kein Abenteurer und echter Held entgehen lassen wollte.

Machen wir eine Pause. Vertreibe dir die Zeit mit diesem Quiz.

Jetzt fragst du dich sicherlich: „Wie bist du schlussendlich wirklich im All zu einem Händler geworden?“ Die Antwort ist so kryptisch wie einfach: Na ja, die Software fiel aus, als ich in einem mir unbekannten Flecken einer mir unbekannten Galaxie auf einem Planeten notlanden musste. Der Alte hatte mir doch wirklich eine Datasette mit Viren angedreht. Während der Simulation bin ich wohl ohne Ziel im All herumgeirrt – vielleicht durch ein Wurmloch in eine andere Zeit geworfen.

Ich wachte plötzlich auf, Hitze und giftige Gase umschwirrten meinen Kopf, der schmerzte. Mein Raumschiff lag in Trümmern. Stellst du dir in solchen Momenten Fragen, wo die Logik des Ganzen ist? Nein! Es geht ums Überleben. Ätzende Gase kratzen in der Lunge, das Eiweiß im Blut beginnt zu gerinnen. Man beginnt rein instinktiv Sauerstoff zu suchen, Kohlenstoffverbindungen abzubauen – schließlich zeigten alle technischen Gerätschaften an, was ich brauchte, um auch in den nächsten Stunden noch als lebendiges Wesen auf diesem Planeten zu wandeln.

Das sind die Planeten, die ich als Händler besucht habe.

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No Man's Sky: Die unglaublichsten Planeten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat (bis jetzt).

Ja, ich war ein Fremder in einer fremden Welt – als ich jedoch mein Schiff repariert hatte, als ich aus der Atmosphäre des Planeten funkelnd ausbrach – da kam mir alles so vertraut vor. Ich fühlte mich in der Fremde heimisch, ich sog sie mit allen Poren in mich auf. Zuerst war ich allein mit den Korvax, den Maschinen-Kreaturen, den Salamander-artigen Gek und den so stolzen, kriegerischen Vy’keen. Ein Fremder unter Fremden, ohne je ein vertrautes Gesicht zu erblicken.

Was hatte ich bis hierhin gelernt? Verkaufen! Güter anhäufen und verkaufen. Wohin, wenn einer nicht weiß, wer er ist, wo er ist? Also hin zu dem, was er kennt, zum Vertrautem. Auf glitzernden Planeten voller Wasser baute ich Kobalt ab, in den vereisten Wüsten kleiner Monde brach ich Deuterium aus dem Boden. Auf grünen Riesen fand ich fremde Artefakte. Korvax, Vy’keen und Gek, alle kaufen meine Waren.

Jetzt sitze ich hier, in meiner Fregatte und feier mit dir deine Ankunft, Freund. Wir gleichen uns, in Aussehen und Denken. Wir sind vom gleichen Stamm. Lange musste ich warten, bis mehr meiner Art hierher finden, in mein kleines Eck im riesigen Raum. Schön dich zu treffen! Was willst du kaufen, mein Freund?

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