EVE Online: 11 Monate Undercover-Arbeit endet in Zerstörung einer unzerstörbaren Raumstation

Victoria Scholz 4

Wie komplex ein Spiel sein kann, zeigt sich immer wieder durch die Kreativität der Spieler. In EVE Online ist so einiges möglich. So zum Beispiel auch die Tat einer ganzen Allianz, die nach elf Monaten Undercover-Aktion und Planung eine riesige Raumstation zerstörte, die eigentlich als unzerstörbar galt.

Bevor ich dir die Geschichte in Gänze erzählen kann, müssen wir aber erst einmal ein paar Vokabeln trainieren. Das häufigste Wort in dieser Geschichte ist „Keepstar“. Damit ist die größte Kampfstation im Spiel gemeint. Generell wirst du in diesem Artikel oft auf den Begriff „Zitadelle“ treffen. Das ist der Oberbegriff für Stationen in EVE Online (Danke an User MoosHort1991 für die Aufklärung!).

Spieler nutzen sie als Basis oder Handelsplattform. Zitadellen sind die größten Raumstationen in EVE Online. Sie bieten den Spielern nicht nur zahlreiche Ausrüstungsmöglichkeiten, sondern auch umfangreiche Werkzeuge zur Verteidigung. Und ja, sie sind kostspielig. Sind sie aber einmal gebaut, können sie so schnell nicht zerstört werden. 

So hieß es zumindest seit langer Zeit. In den letzten zwei Jahren ist es den Spielern aber gelungen, mehr als 30 von diesen Keepstar-Zitadellen zu zerstören. Wie dieses kleine Dorf in Gallien gab es auch diese eine Zitadelle, die sich nicht beugen ließ. Es war die erste Zitadelle, die je gebaut wurde.

Und hier kommen wir auch schon zu den nächsten Vokabeln: eine Fraktion nennt sich Hard Knocks, die gegnerische Allianz heißt The Initiative. Die betroffene Zitadelle nennt sich, natürlich, „Fort Knocks“. Als Hard Knocks Fort Knocks fertig stellte, wollte The Initiative bereits die Zerstörung der Zitadelle.

Es ist Dezember 2017. Der Plan der Zerstörung beginnt. The Initiative ist erprobt. Zwei Spieler, die bereits bei der Einäscherung einer anderen Zitadelle dabei waren, hecken einen Plan für Fort Knocks aus.

Die Schwierigkeit und damit auch die Bedeutung dieser Zerstörung ist schnell erklärt: Fort Knocks liegt mitten in einem Wurmloch. Spieler können hier nicht so schnell hinreisen. Sie müssen vielmehr unregelmäßig auftauchende Risse nutzen. Diese Risse sind jedoch sehr instabil. Außerdem ist der Chat in Wurmlöchern etwas anders als normal. Denn hier werden dir nicht alle im System befindlichen Spieler, geschweige denn ihre Namen, angezeigt.

Das Panetensystem, in dem sich Fort Knocks befindet, wird von den Spielern nur Rage genannt. Anders als der Name versuchte es The Initiative mit wohl überlegter Planung. Sie bewegten ganze Frachter voller Schlachtschiffe in das System und platzierten sie in die Nähe der Zitadelle. Dabei nutzen sie jede Methode und wendeten jeden Trick an. Die Spieler selbst verbrachten Nächte in EVE Online.

Sogar die tägliche Downtime der Server wurde zu ihrem Vorteil genutzt. Jeden Tag werden die Server 15 Minuten lang heruntergefahren. The Initiative nutzte das aus und bewegte ihre Frachter immer in der Zeit nah an der Downtime.

Im Dezember 2018 war es dann soweit. Insgesamt eine Woche dauerte das Unterfangen. Doch in schon weniger als zehn Minuten hatte Hard Knocks seine Zitadelle verloren. Die Gegner sicherten das Wurmloch von innen ab, damit es keine Eindringlinge gab, die sich die Zitadelle selbst unter den Nagel reißen konnten. Schlachtschiffe, die The Initiative seit Monaten im Wurmloch lagerte, wurden aktiviert und kämpften gegen die Einwohner.

Sogar einige in der Nähe lebende Spieler versammelten sich und versuchten die Zitadelle vor den Eindringlingen zu schützen. Selbst die Gruppen von Spielern, die eigentlich immer Probleme mit Hard Knocks hatten, ließen Solidarität walten. Aber die Hilfe brachte einfach nichts. Fort Knocks explodierte. Und die Allianz sammelte den Loot auf.

Dass EVE Online so viel mehr kann, beweist auch der folgende Spieler im Video. Er ist der Weltraumpapst im Spiel:

EVE Online - Der Weltraumpapst.

Der Coup in Zahlen

  • Zwei Frachter wurden von Dieben gestohlen. Darin befanden sich viele Schiffe und wertvolle Ressourcen.
  • 46 Frachter wurden in den elf Monaten nach Rage gebracht.
  • 750 Schlachtschiffe waren in den Frachtern verborgen.
  • 800 Hilfsschiffe transportierten Treibstoff und weitere Ressourcen.
  • 600 Milliarden ISK (Währung in EVE Online) wurden für diese Mission ausgegeben. Das sind umgerechnet etwa 8.000 US-Dollar.
  • Mehr als 550 Mitglieder der Allianz The Initiative haben bei den Coup mitgemacht.
  • Aber fast 1.000 Spieler haben insgesamt gekämpft. Damit hat etwa die Hälfte der Initiative geholfen.

Die Auswirkungen, so beschreibt es der Autor von Kotaku, sind spürbar. Überall in EVE Online werden Frachter jetzt skeptischer beäugt. Einige Spieler greifen sie sogar an, weil sie Angst vor einer Bedrohung haben. Hard Knocks gibt es immer noch. Sie konzentrieren sich jetzt darauf, das zu retten, was noch zu retten ist.

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